Interview
Lëtzebuerger Privatbësch
Interview vom 8. Januar 2010 mit Hubert de Schorlemer über die Vereinigung "Lëtzebuerger Privatbësch", deren Aufgabenfelder sowie über die Klimaschutzfunktion der Wälder.
1. Die Forstverwaltung wurde unlängst in Naturverwaltung umbenannt, dahinter stehen weitere Veränderungen. Inwieweit betrifft die Reform der Forstverwaltung die Privatwaldbesitzer?
Die Reform der Forstverwaltung betrifft die Privatwaldbesitzer eigentlich nicht, ich denke dass weiterhin eine gute Zusammenarbeit stattfinden wird.
2. Sagen wir mal, ich möchte ein Stück Wald kaufen. Kann ich mich da an Ihre Vereinigung wenden?
Ja, entweder Sie schreiben sich über das Internet www.privatbesch.lu auf der Waldbörse ein, oder Sie melden sich telefonisch bei unseren Beratern unter 89 95 65 65 oder Sie können auch eine Gratisanzeige in unserer Zeitung „De Lëtzebuerger Bësch" aufgeben.
3. Was kostet eigentlich ein Hektar Wald in Luxemburg ungefähr und woran orientiert sich dieser Preis?
Nun, man kann nicht einfach so einen Preis einer Waldparzelle angeben. Der Preis variiert in Funktion von der Lage, Bewuchs/Bestand, Orientierung, Klassierung, Gewässerlage, aktueller Zustand, Bodenart...
4. Sind die Preise im letzten Jahr gestiegen (weil eventuell das Interesse am Wald als sichere Anlage durch die Finanzkrise zugenommen hat)?
Nein, im Prinzip nicht. Außer für Lohhecken, aber hier ist mehr die Brennholzgewinnung ausschlaggebend. Es gibt Interesse an Waldkauf, aber nicht so stark, dass er die Preise steigert. Allerdings kann man sagen, dass die Waldpreise kaum gesunken sind, so dass Wald in einer Wirtschaftskrise doch werterhaltend ist. Investmentfonds, die in diesen Bereich investieren, ziehen große Wälder im Ausland vor, da sie leichter zu bewirtschaften sind.
5. Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist aktiver Klimaschutz. Wird die Forstwirtschaft Ihrer Meinung nach aufgrund dieser Leistungen gesellschaftlich wieder mehr Bedeutung erlangen?
Nun, ich hoffe, dass der Wald wieder mehr Anerkennung bekommt. Die privaten Waldbesitzer haben mit dem PEFC Label, dem weltweiten größten Waldlabel, ein Instrument der nachhaltigen Bewirtschaftung geschaffen. Lange Zeit war sich die Gesellschaft nicht über die Beiträge zum Klimaschutz des einheimischen Waldes bewusst. Man hat den Eindruck, dass vielen die Urwälder in Übersee wichtiger sind, als die hiesigen. Aber dies scheint sich zu ändern. Aber es gibt immer noch kein schlüssiges Konzept wie dem Wald, vor allen Dingen dem viel parzellierten Kleinprivatwald in Europa, der ungefähr die Hälfte der ganzen Waldflächen ausmacht, geholfen werden kann.
6. Wenn ja, können Sie sich vorstellen, dass dieser Beitrag zum Klimaschutz staatlich zukünftig finanziell stärker honoriert wird?
Der Wald filtert Wasser, fängt den Feinstaub, fixiert CO2, liefert Sauerstoff...eine mögliche Hilfe für die Erhaltung der Wälder wäre ein CO2 Emissionsrecht, so wie es im Kyotoprotokoll nur für Wälder aus fernen außereuropäischen Waldgebieten erlaubt ist. Denn auf der anderen Seite, leidet der Wald natürlich unter der Umweltverschmutzung.
7. Heizen mit Holz gilt als klimafreundlich (weitgehend CO2-neutral) und wird daher zurecht vom Luxemburger Staat gefördert (z. B. der Einbau von Holzpellet-, Holzhackschnitzel- oder Scheitholzheizungen). Wie wirkt sich dies auf den Holzmarkt aus und besteht darin womöglich ein wirtschaftliches Potenzial für Privatwaldbesitzer?
Noch gibt es nicht genügend Holzhackschnitzelheizungen hier, dass man von einer Beeinflussung des Marktpreises des Holzpreises sprechen kann. Klar zu erkennen ist die Korrelierung des Brennholzpreises mit dem Heizölpreis. Sobald der Erdölpreis steigt, steigt auch die Nachfrage nach Brennholz und dessen Preis. Jemand der eine Kleinanlage bei sich zu Hause hat, der wird aus seinem Wald das Holz nehmen und unabhängig vom Preis heizen. Für eine große Anlage besteht das Problem in der Schwankung der Preise und in der Konkurrenz zum Papierholzmarkt, da sie in der ähnlichen Kategorie sind. Das wirtschaftliche Potenzial ist klar vorhanden, es bleibt jetzt ab zu warten wann in Luxemburg einige größere Projekte realisiert werden.
8. Wie ist das Verhältnis der sogenannten Erbengeneration zu ihrem Klein- und Kleinstprivatwald? Hat hier eine „Entfremdung" stattgefunden, und dreht sich dieser Prozess womöglich im Sog des Energieholzgeschäftes wieder um?
Es ist klar dass eine „Entfremdung" in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Viele Privatwaldbesitzer wohnen weit von ihren Parzellen entfernt, oft wurde der Wald als „letztes" vererbt, die Holzpreise waren nicht sehr hoch, so dass ein gewisses Desinteresse bestanden hat. Allerdings, durch die erhöhten Energiepreise sind eine ganze Menge von Besitzern wieder zurück zu ihrem Wald gekommen. Aber auch ein besseres Umweltbewusstsein bringt einige Waldbesitzer wieder zurück. Allerdings ist hier noch eine Menge zu tun, wofür wir uns beim Lëtzebuerger Privatbësch auch einsetzten um die Leute wieder zu mobilisieren.
9. Als Mitglied des „Lëtzebuerger Privatbësch" kommt man in den Genuss zahlreicher Hilfsangebote im Bereich Waldbewirtschaftung. Hat sich das Wissen über den Wald und seine Bewirtschaftung über die Generationen erhalten oder werden Sie öfter als früher um Rat gefragt.
Wie schon in der vorherigen Antwort gesagt, gibt es noch viel zu tun bezüglich des zu vermittelnden Wissens. Da wir erst seit etwas mehr als 10 Jahren über eine Beratung verfügen, kann ich wenig zu den Jahren davor sagen. In den letzten Jahren führen unsere Berater ca 200 Beratungsgespräche pro Jahr vor Ort durch, und wesentlich mehr Beratungs-Telefongespräche. Insgesamt gibt es in Luxemburg ca 13.400 Privatwaldbesitzer mit einer Fläche von ca 48.000 ha Wald, was 55% der Landesforstfläche ausmacht. Sie sehen also, dass wenn nur 10 % der Waldbesitzer pro Jahr einmal anrufen, wir schon ziemlich ausgelastet sind...
10. Was bedeutet es eigentlich, Waldbesitzer zu sein? Ist der laufende finanzielle und persönliche Aufwand hoch?
Waldbesitzer zu sein, heißt in erster Linie ein Naturliebaber zu sein! Wald ist immer mit Aufwand verbunden, aber es bereitet Freude. Der Wald bringt keine industriellen Rentabilitäten, aber man sollte ihn so gestalten, dass die Kosten gedeckt werden und auch ein kleiner Gewinn erwirtschaftet wird. Nur so kann er gehalten werden und nur so kann er seinen sozialen, ökologischen und ökonomischen Ansprüchen, einer modernen Gesellschaft, in welcher wir nun mal leben, gerecht werden.
11. Wie können sich Privatwaldbesitzer betreuen lassen? Gibt es Full-Service Angebote? Wer bietet diese an?
Der Lëtzebuerger Privatbësch bietet folgende Beratungsbereiche für den Kleinprivatwaldbesitzer an: Wiederfinden von Parzellen und der Grenzen, Waldwegebau, Durchforstungen im Nadel-/Laubholz, Gemeinschaftsdurchforstungen, Abtriebe, Pflanzung und Naturverjüngung, Kultur- und Jungbestandspflege, Wertberechnung von Parzellen, Rückewege, Forstschutzmaßnahmen, Kalamitäten, Holzverkauf, Zertifizierung nach PEFC, Waldführerschein (Motorsägenlehrgang, ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Ökosystems Wald), Informationsveranstaltungen und Exkursionen, so wie ein jährlich stattfindendes Waldsymposium in Woltz Ende März mit internationalen Experten/Professoren von europäischen Universitäten.
12. Was halten Sie persönlich vom Projekt mayago?
Ein interessantes Konzept!
Herr de Schorlemer, wir danken Ihnen fürs Gespräch.
Das Interview wurde geführt von Patrick Schaefer.
Subventionen
Sind Subventionen wichtig um in Umweltschutz zu investieren?






